Wieso gerade „Satanismus“?

Die Frage „Wieso sollte man das Satanismus nennen?“ mußten LaVey und viele andere Satanisten rund um die Welt schon oft beantworten. Jeden Monat, jede Woche, jeden Tag... Es ist eine der Fragen, die unseren Kritikern und den Atheisten meist als erstes einfällt, und die in einem so siegessicheren Ton gefragt wird, als ob alle Satanisten bei dieser Frage zu Staub zerfallen würden. Es wird oft nicht verstanden, wieso einige Menschen sich mit einer so bösartigen Figur wie Satan in Verbindung bringen wollen. Wieso nicht Bezeichnungen wie „religiöser Humanismus“ benutzen? Oder eine Bezeichnung wählen, die mehr auf Wicca oder auf eine andere religiöse Gruppe hindeutet, die eher esoterisch und weniger „böse“ klingt? Es gäbe vielleicht noch mehr Menschen in unseren Reihen, und die Reaktion aus der Allgemeinheit wären entsprechend positiver. Aber Humanismus ist keine Religion, sondern eine Lebenseinstellung, ohne Zeremonien und Dogma. Satanismus beinhaltet jedoch beides: Zeremonien und Dogmen! Außerdem möchte ich die Behauptung aufstellen, daß Satanismus nicht viele Anhänger braucht und das Menschen in hohen und leitenden Positionen uns eher beitreten als einfache Arbeiter. Die tiefsinnigere Antwort wäre, daß Satanisten mehr Kraft, Willensstärke, Unkonventionalität und Selbstfindung aus okkulten und kontroversen Symbolen ziehen, als zum Beispiel aus einem an ein Kreuz genagelten Narren. Wir haben die übermäßige Selbstzufriedenheit, Heuchelei, Vorurteile und Scheinheiligkeit satt, welche die meisten Religionen, das richtig definierte Wicca und Heidentum eingeschlossen, in den Menschen hervorbringen. Wenn wir mit dem Rücken zur Wand stehen, kämpfen wir und fallen nicht vor unseren Feinden auf die Knie, noch werden wir unser Leben in die Hände von „Gottes Sohn“ legen, wie es die Christen machen würden.

Viele Menschen haben versucht, Satanismus zu vereinfachen oder zu verzerren mit Sätzen wie: „Satan ist ein Konstrukt der christlichen Kirche, also muß Satanismus eine verdrehte Version des Christentums sein.” Satanisten seien demnach nicht mehr als Christen mit einem „Bad Boy Image.“ Hier fehlt die erweiterte Perspektive über das Gesamtbild. Die Christen haben sich den Satanismus nicht ausgedacht! Die Religionen aller Kulturen haben immer einen personifizierten Gegenspieler, einen Satan, gehabt. Und immer war dies eine Figur, die die dunklen Seiten repräsentiert, das Unbekannte, die stolze Bestie, die eine Herausforderung gegenüber dem Mittelmäßigen, der „Norm“, ausspricht. Auf der anderen Seite steht ein Gott, der alles Konventionelle, Vorhersehbare, die Sicherheit der „Normalität“, das Wohl der dominierenden Menschengruppe, und die Bezahlung für diese „Normalität“ repräsentiert. Ketzer setzten sich großen Gefahren aus beim Erforschen und Durchleuchten neuer Wege, die andere auch würden beschreiten können. Sie besaßen die Gabe, vorherzusehen, wie Recht sie haben würden, und wie heuchlerisch die Motive ihrer Gegenspieler und Mörder waren. Das Christentum hat weder solch eine Dualität, noch den Archetyp Luzifer erfunden, sondern nutzte einfach den Status Quo seiner Zeit. Also: In einer vom Judaismus geprägten Gesellschaft nennen wir uns Satanisten, weil diese Bezeichnung unsere Essenz am besten widerspiegelt!

Der Mensch erschafft sich seine Götter, nicht umgekehrt! Genauer, wir konstruieren und definieren unsere Götter, und diese leiten und definieren dann uns. Wir leben in einer Welt voller Geschichtenerzähler. Wir drücken uns durch Geschichten, Filme und expressive Kunst aus, wir haben unsere Geschichten durch Jahrtausende in Stein gemeißelt. Geschichten über unsere Götter, unsere Helden, unsere Dämonen, unsere erfolgreichen Heldentaten, unsere Ängste, unsere Träume, kurz: alles, um unsere Vergangenheit und unsere Erlebnisse zu erhalten, um sie zu analysieren, sie mit anderen auszutauschen und sie wieder anderen nahe zu bringen. Der Mensch erstrahlt in seiner Genialität, wenn etwas Außergewöhnliches erschaffen werden soll. Was machen Sie aber, wenn Sie der Verliererseite angehören, wenn Sie in Ihrem Leben ständig versagen?! Was machen Sie, wenn Ihr Gott tot ist und es keine Regeln mehr gibt? Wie würde Ihr Verhalten, Ihre Ehre und Ihr Gerechtigkeitssinn aussehen, wenn es keinen Gott mehr gäbe, der Ihnen mit einem ewigen Flammen- und Schwefelmeer droht? Genau hier wird es interessant. Überschreiten Sie die Grenzen, die Ihnen gesetzt wurden, und Sie werden erstaunt über das sein, was Sie in sich selbst vorfinden. Satanisten wollen den Bullshit beenden, der uns aus jeder Ecke ins Gesicht springt, wir wollen uns der Herausforderung, einschließlich uns selbst, stellen und einfach das Leben genießen. Wäre es möglich, daß wenn du diese Worte auf deinem Computerbildschirm liest, dir ein dunkler Schatten deiner Selbst ins Gesicht blickt?

 

 

 


Wir wollen hier ein paar wohlbekannte Zitate von Carl Jung aufzeigen, vielleicht wecken diese Ihr Interesse.

"If the name Lucifer were not prejudicial, it would be a suitable one for this archetype [the Self]." (vol. 9 i p. 567)

"It is also worth noting that Lucifer, the Morning Star, means Christ as well as the devil." (vol. 9 ii p. 192)

"Therefore Lucifer was perhaps the one who best understood the divine will struggling to create a world and who carried out that will most faithfully. For, by rebelling against God, he became the active principle of a creation which opposed to God a counter-will of its own." (vol. 11 p. 290)

"The growing darkness reaches its greatest intensity on the day of Venus (Friday) and changes into Lucifer on Saturday." (vol. 13 p. 301)

"...the inner voice is a "Lucifer" in the strictest sense of the word, and it faces people with ultimate moral decisions without which they can never achieve full consciousness and become personalities." (vol. 17 p. 319)

"With him God does not only contain love, but, on the other side and in the same measure, the fire of wrath, in which Lucifer himself dwells." (vol. 18 p. 1654)